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  • Ann-Christin Hagen

Buchclub 01.12.2021

„Becoming – Meine Geschichte“ von Michelle Obama


Mehr als 500 Seiten umfasst die Biografie von Michelle Obama mit dem Titel „Becoming – Meine Geschichte". Unsere Wahl für den Dezember-Buchclub war also alles andere als ein dünnes Heft. Aber die ehemalige First Lady der USA hat eben eine Menge zu erzählen.


„Die eigene Geschichte ist etwas das man hat, das man immer haben wird. Wir müssen sie nur für uns beanspruchen.“ Dieser Satz auf dem Buchrücken ist ein Leitgedanke für das Buch, aber auch das Leben und Wirken der Autorin. Ob im Wahlkampf oder im Gespräch mit jungen Menschen: Michelle Obama teilt ihre Erfahrungen, Rückschläge und Erfolge, um zu zeigen, dass es sich ungeachtet der eigenen Herkunft lohnt, für seine Ziele zu kämpfen.


Was erfahren wir?


Michelle Obama hat ihre Biografie in drei Teile gegliedert Becoming Me, Becoming Us und Becoming More. Sie beginnt mit lebendigen Anekdoten aus ihrer Kindheit und endet kurz nach dem Ende ihrer Zeit als First Lady.


Teil 1– Becoming Me: In den einfachen Verhältnissen der Southside von Chicago fehlt es an Vielem, aber der enge Familienzusammenhalt lässt Michelle Obama in liebevoller Umgebung aufwachsen. Mit viel Ehrgeiz und harter Arbeit schafft sie es zur Elite nach Princeton und Harvard, wird Anwältin in einer renommierten Kanzlei und Mentorin für ihren späteren Mann Barack Obama.


Teil 2 – Becoming Us führt uns vom Beginn der Liebesbeziehung über die Hochzeit der Obamas und die Geburt der beiden Töchter bis zum Einzug der Familie ins Weiße Haus. Eine Phase mit vielen Veränderungen, die neue Herausforderungen und auch Konflikte mit sich bringen. Doch es gelingt Michelle Obama, sich von fremden Erwartungen zu lösen und beruflich wie privat Erfüllung zu finden. Ein Wachstumsprozess, an dessen vorläufigem Höhepunkt sie eine entscheidende Rolle im Präsidentschaftswahlkampf einnimmt – dank ihres Talents, Inhalte über Geschichten zu transportieren.


Teil 3 – Becoming More: Als First Lady steht Michelle Obama weitgehend unvorbereitet im Fokus der Öffentlichkeit, verliert aber nie ihre Bodenhaftung und sieht ihre Töchter stets an erster Stelle. Gleichzeitig kämpft sie leidenschaftlich für soziale Herzensprojekte und trifft an der Seite ihres Mannes beeindruckende Persönlichkeiten rund um den Globus. Ein ständiger Balanceakt, der nur durch die Unterstützung ihrer sympathisch eigenwilligen Mutter und eines Teams aus langjährigen Wegbegleitern gelingt.


Was hat uns inspiriert? Was nehmen wir mit?


Die starke Grundhaltung, nie zu jammern, sondern das Leben selbst in die Hand zu nehmen und bessere Umstände – für sich selbst oder andere – aktiv zu erkämpfen, hat uns auf jeden Fall beeindruckt und auch inspiriert. Michelle Obama ist ein tolles Vorbild für gesunden Ehrgeiz und dafür, den eigenen Weg zu finden und zu gehen. Auch wenn es nicht der leichteste sein mag. Die vielen Anekdoten machen es dabei leicht, sich „mittendrin“ zu fühlen und immer wieder Parallelen zu eigenen Erfahrungen zu entdecken.


Michelle Obama ist mehr als nur „die Frau von…“ oder Mutter zweier Kinder. Es ist ihr gelungen, sich an der Seite des Präsidenten der USA als eigenständige Persönlichkeit zu behaupten und dabei eigene Akzente zu setzen. Gleichzeitig begegnet sie Ratgebern und Wegbegleitern mit offener Dankbarkeit und achtet stets darauf, etwas zurückzugeben. „Für jede Tür, die mir geöffnet wurde, habe ich versucht, eine andere zu öffnen. Und das ist es, was ich letztlich sagen will. Laden wir uns gegenseitig ein. […] Vielleicht werden wir dann offener für die Aspekte, in denen wir gleich sind.“ (S. 542)


Abschließend noch eine vielleicht banale, aber wichtige Erkenntnis: Manchmal braucht der Erfolg auch eine Prise Glück. Wäre Barack Obama mit einer 17-Minuten-Rede nicht plötzlich ins nationale Scheinwerferlicht gerückt, wäre er womöglich nie Präsident geworden – und hätte der Politik den Rücken gekehrt.


Was wollen wir ab morgen umsetzen?


(1) Weniger im stillen Kämmerlein grübeln, stattdessen rausgehen und das Gespräch suchen mit Vorbildern und Menschen, die eine andere Sichtweise mitbringen.

(2) Viel und querbeet lesen (nach dem Vorbild von Barack Obama), um den Blick nach außen zu öffnen und über den eigenen Tellerrand zu schauen.

(3) Konsequent den eigenen Weg wählen. Man kann es nicht allen recht machen, deshalb konzentrieren wir uns darauf, wie sich eine Entscheidung für uns anfühlt.

(4) Dranbleiben: Es lohnt sich, das eigene Ziel im Blick zu behalten und Schritt für Schritt darauf hinzuarbeiten, auch wenn es mal Rückschläge gibt.

(5) Frühzeitig fokussieren und Arbeit abgeben oder streichen, wenn sich die Aufgaben anhäufen.

(6) Immer wieder überlegen, wie wir der Welt etwas zurückgeben und einen Fußabdruck hinterlassen können. Vielleicht durch ein ehrenamtliches Engagement?


Unser Fazit


Definitiv eine lesenswerte Lektüre mit vielen Denkanstößen! Nicht alle Teilnehmer haben das gesamte Buch bis zum Treffen geschafft, aber auch die Nachzügler wollen definitiv weiterlesen. Michelle Obama hat uns mit ihrem Talent für Geschichten überzeugt und wunderbar unterhalten. Unzählige Anekdoten brachten uns zum Schmunzeln oder Mitfühlen und geben sehr persönliche Einblicke in das Leben als First Family und den Weg dorthin. Der politische Teil war für manche am Ende etwas zu prägnant, für andere aber wiederum gerade richtig – das muss also jeder für sich selbst wissen. Wir vergeben für „Becoming“ die gute bis sehr gute Durchschnittsnote 1,6. Fun Fact am Rande: Für uns alle war dieses Buch die erste Biografie, die wir jemals gelesen haben. Und jetzt haben wir Lust auf mehr, das spricht doch Bände, oder?


Extra-Tipp: Die Netflix-Dokumentation zum Buch, die Michelle Obama auf Ihrer Lesereise begleitet, gibt ergänzende Einblicke, zeigt wichtige Wegbegleiter und lohnt sich auf jeden Fall! Am besten nach dem Buch anschauen.


Unser nächster Buchclub findet am 02.03.2022 statt: Wir möchten jetzt auch tiefer in die Sichtweise von Barack Obama eintauchen und lesen seine Biografie „Ein verheißenes Land“ (ISBN 3328600620). Egal ob Mitglied oder nicht: Wenn ihr das Buch auch mal lesen wollt (oder noch einmal), freuen wir uns auf den Austausch mit euch! Hier geht’s zur Anmeldung.



Text: Miriam Nuschke

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