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  • Ann-Christin Hagen

Buchclub 28.09.2021

„Wabi-Sabi – die japanische Weisheit für ein perfekt unperfektes Leben“ von Beth Kempton



Mit unserer zweiten Runde ging der Buchclub zu Herbstbeginn in Serie. Diesmal brachte die Lektüre uns Wabi-Sabi näher – eine tief in der japanischen Kultur verankerte Lebenseinstellung, die sich nur schwer in Worte fassen lässt.


Die Autorin Beth Kempton studierte Japanologie und lebte anschließend einige Jahre in Japan. Aus den Begegnungen und Erfahrungen dieser Zeit ist eine enge Verbindung zum Land und seiner Kultur gewachsen, die man auf jeder Seite des Buchs „Wabi-Sabi“ spürt. Außerdem engagiert sie sich bis heute für den west-östlichen kulturellen Austausch. Dazu passt natürlich, dass sie mit ihrem Buch versucht, der westlichen Welt ein Kernstück der japanischen Kultur näher zu bringen.


Worum geht es?


„Einfach genau richtig sein“, das wünscht sich indirekt fast Jede(r). Und wenn man Wabi-Sabi folgt, ist dies vor allem eine Frage der eigenen Einstellung. Wabi-Sabi ist ein jahrhundertealtes Konzept, das die Schönheit in der Unvollkommenheit erkennt – und daher als ein Gegenpol zum omnipräsenten Perfektionismus betrachtet werden kann.


Wabi-Sabi entzieht sich einer genaueren Definition, lädt uns aber ausdrücklich dazu ein, einfach wir selbst zu sein. Unser Bestes zu geben, aber nicht bis zur totalen Erschöpfung unerreichbaren Idealen nachzueifern. Die zentrale Aufgabe ist, das Unperfekte anzunehmen – und in seiner Einzigartigkeit wertzuschätzen.


Unsere Lieblingspassage (auf Seite 40) fasst in Schlagworten zusammen, was eine von Wabi-Sabi geprägte Lebenseinstellung bewirken kann: „Weniger Kram, mehr Seele. Weniger Hektik, mehr Leichtigkeit. […] Weniger Kritik, mehr Nachsicht. Weniger Angeberei, mehr Wahrheit. […] Weniger Kontrolle, mehr Hingabe.“ Von alldem könnten wir mehr gebrauchen, da sind wir uns einig.


Wabi-Sabi für unseren Alltag


Beth Kempton hat ihr Buch in klar benannte Abschnitte gegliedert und weist explizit darauf hin, dass man auch nach Lust und Laune – oder je nach aktueller Herausforderung – zwischen den Kapiteln springen kann.


Ein Überblick der Themenfelder: Vereinfachen und Verschönern / Leben im Einklang mit der Natur / Akzeptieren und Loslassen / Das Scheitern umdeuten / Beziehungen hegen und pflegen / Die berufliche Reise genießen / Die Momente wertschätzen


Wenn der Einstieg ein grundlegendes Verständnis für Wabi-Sabi geschaffen hat, kann man sich anhand der Kapitel-Liste also ganz gezielt für einen Bereich entscheiden. Das Buch liefert dann mit Schritt-für-Schritt-Anleitungen und Leitfragen kleine Praxishelfer, um sich selbst und das eigene Umfeld im Sinne von Wabi-Sabi weiterzuentwickeln.


Hausaufgabe: Raum schaffen für das, was wir lieben


Die meisten Menschen haben mehr Krempel in der Wohnung als ihnen eigentlich gefällt – das geht uns nicht anders. Wir wollen daher das Gelesene als Anstoß nehmen, um uns von altem Ballast zu befreien. Die Schritt-für-Schritt-Anleitung „Zimmer für Zimmer Raum schaffen“ gibt uns dabei wertvolle Hilfestellungen. Das Ziel ist klar: Wir wollen mehr Raum für die Dinge, die uns wichtig sind und an denen wir uns täglich erfreuen können. So schaffen wir uns neue, ganz persönliche Wohlfühloasen.


Unser Fazit


Das Buch Wabi-Sabi konnte uns trotz guter Impulse leider nicht wirklich begeistern – wir bewerten es mit 3,5 eher mittelmäßig. Die Grundidee gefiel uns gut, den Schreibstil empfanden wir allerdings durch diverse und sehr lange Einschübe eher ermüdend. Den Lesefluss störten zudem die in großer Zahl eingestreuten japanischen Begriffe und Schriftzeichen. Echte Japan-Fans mögen das andres sehen – uns war es zu viel. Insgesamt ist „Wabi-Sabi“ aber klar strukturiert und kann wunderbar als eine Art Nachschlagewerk für gezielte Impulse genutzt werden. Das finden wir sehr praktisch!


Extra-Tipp: Wabi-Sabi gibt es auch als Hörbuch. So kann man beim Hören gleich erste Dinge umsetzen – entrümpeln oder mit kleinen Details einen neuen Lieblingsplatz erschaffen.


Unser nächster Buchclub findet am 01.12.2021 statt: Wir sprechen über „Becoming – Meine Geschichte“ – die Biografie von Michelle Obama. Egal ob Mitglied oder nicht: Wenn ihr das Buch auch unbedingt mal lesen wollt (oder noch einmal), freuen wir uns auf den Austausch mit euch! Hier geht’s zur Anmeldung.



Text: Miriam Nuschke

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