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  • Ann-Christin Hagen

Netzwerken - Entdecke die Vorteile!


Das Prinzip des Netzwerkens ist uralt und unter anderem bekannt von den britischen Gentleman’s Clubs, in denen Männer (zunächst aus der Aristokratie, später auch aus anderen Gesellschaftsschichten), Zeit miteinander verbringen, sich austauschen und bei Bedarf gegenseitig unterstützen, zum Beispiel mit Wissen, Kontakten und Empfehlungen – das berühmte Vitamin B. Diese Clubs gibt es immer noch, doch Netzwerken ist zum Glück vielfältiger und zugänglicher geworden, nicht zuletzt durch das Internet.


Einige Vorteile der aktiven Kontaktpflege für Unternehmer liegen auf der Hand:

  • Die Bekanntheit steigt und sollte irgendjemand aus dem eigenen Netzwerk einmal meine Dienstleistung oder mein Produkt benötigen, wird er oder sie sehr wahrscheinlich an mich denken.

  • Umgekehrt findet man so gegebenenfalls eine benötigte Leistung oder einen Kooperationspartner – direkt oder über die Kontakte meiner Kontakte.

  • Dieser Aspekt wird tatsächlich häufig übersehen: Mit jedem neuen Kontakt bekomme ich indirekten Zugang zu seinem oder ihrem weiteren Kontaktkreis. Eventuell empfiehlt er oder sie mich weiter. Oder kann mir jemanden empfehlen.

Über das strikt geschäftliche hinaus profitieren wir zudem persönlich von unseren Netzwerken: Andere eröffnen uns im Gespräch neue Blickwinkel oder geben wertvolles Feedback aus einer neuen Perspektive. Wir können eigentlich nur gewinnen.


Also: Was macht ein gutes Netzwerk aus? Worauf kommt es dabei an?


Qualität vor Quantität


Ein großes Netzwerk zu haben ist toll, doch sollte man nicht vergessen, dass Kontakte auch gepflegt werden wollen. Sich allein wegen einer vermeintlich eindrucksvollen Zahl mit allen und jedem zu verbinden, bringt inhaltlich praktisch nichts und verwässert den eigenen Fokus. Es macht also deutlich mehr Sinn, gezielt vorzugehen. Welche Kontakte brauche und will ich? Die folgenden Fragen können dabei Orientierung bieten:

  • Wer ist in einer ähnlichen Situation wie ich? Menschen in ähnlichen Situationen haben im Zweifel ähnliche Fragestellungen und Herausforderungen zu meistern. So kann man von den gegenseitigen Erfahrungen profitieren, Tipps austauschen und Kontakte weitergeben.

  • Wer kann/hat etwas, dass mir fehlt und mich bereichert? Menschen, die beispielsweise in einem thematisch angrenzenden Bereich arbeiten, können sich durch neue Perspektiven gegenseitig inspirieren und inhaltlich bereichern. Es lohnt sich, die Augen nach Synergien aufzuhalten und offen zu sein, ohne wahllos zu werden (siehe oben: Qualität).

  • Wer ist dort, wo ich hinmöchte? Menschen, die beruflich schon ein paar Schritte weiter sind als man selbst, können wertvolle Tipps geben, ihre Erfahrungen teilen und bestenfalls zu einem/einer Mentor*in werden.

Eine gewisse Sympathie schadet natürlich ebenfalls nicht, denn früher oder später merken es andere, wenn wir nicht offen und unbefangen sind. Außerdem macht doch auch der Austausch deutlich mehr Freude, wenn man das Gegenüber mag und schätzt.


Die Unternehmerin Lauren Berger (www.internqueen.com) soll sich angeblich eine 3 x 1 Regel gegeben haben, um ihr Netzwerk zu pflegen, und jede Person dreimal in einem Jahr kontaktieren. Ob man sich konkret an diese Zahlen halten muss, sei dahingestellt. In jedem Fall ist es sinnvoll, sich explizit Zeit für die Kontaktpflege einzuplanen.


Eigenständig oder im Verbund


Es gibt schier unendliche Möglichkeiten, aktiv zu werden. Auf der einen Seite stehen organisierte professionelle Netzwerke, die schwerpunktmäßig offline stattfinden, wie zum Beispiel BNI oder Nushu. Hier gibt es Veranstaltungen mit Gelegenheit zum Austausch und meist einen organisatorischen Rahmen, zum Beispiel durch feste Abläufe und moderierte Vernetzung. Die Netzwerkmitglieder sind stark miteinander und mit der Organisation verbunden und konzentrieren sich auf sich selbst.


Oder man fokussiert sich auf komplett eigenständiges netzwerken, bei dem man sich allein auf verschiedenen, selbst gewählten Veranstaltungen aktiv darum bemüht, mit anderen ins Gespräch zu kommen und neue Kontakte zu gewinnen.


Dazwischen gibt es viel Raum für Mischformen jeglicher Art. Dat netzwerk beispielsweise bietet als starke Gemeinschaft einen Rahmen, der aber auch als Spielwiese genutzt werden kann, um neue Kooperationen und Ideen zu testen, wie zum Beispiel in unseren Pool-Teams. Es setzt auf Beteiligung und Mitglieder-Initiative, ohne starr zu sein.


Ebenso bieten die sozialen Business-Netzwerke Anknüpfungspunkte, in denen zwar ein Gerüst vorgegeben ist, das aber jeder für sich selbst füllen muss. Wer auf Xing oder Linkedin nicht aktiv wird, wird dort auch kein gutes Netzwerk aufbauen. Gleiches gilt für Social-Media-Plattformen wir Facebook oder Instagram, die immer mehr auch für berufliche Vernetzung und Darstellung genutzt werden.


Da scheint es manchmal gar nicht so leicht, den individuell richtigen Zugang zu finden. Im Zweifel helfen die oben gestellten Leitfragen auf dem Weg zu meinem perfekten Netzwerk-Erlebnis, denn wer weiß, wen er oder sie sucht, findet dadurch auch das richtige Netzwerk oder Event. Und warum nicht eine Kombination aus verschiedenen Welten wählen?


Geben und nehmen


Allen Formen des Netzwerkens ist eines gemein: Es geht um Geben und Nehmen. Wie bei Geldanlagen auch, bekomme ich nur mit einem initialen Investment einen guten Return. Also, seid freigiebig mit Unterstützung und Hilfestellungen, denn wer einer anderen Person behilflich ist, bleibt in guter Erinnerung – der Grundstein für einen fruchtbaren Kontakt ist gelegt.


Vor allem gilt: Niemals nur den eigenen Nutzen im Auge haben – erst einmal geht es um einen Austausch auf Augenhöhe und den Aufbau von Beziehungen. Wenn diese dann einmal auch nützlich sind – umso besser.


Eine gute Richtlinie für das Netzwerken ist die vielzitierte 70-20-10-Formel, die Social Media Berater Mike Sansone aufgestellt hat. Sie besagt, dass wir rund 70% unserer Netzwerktätigkeiten dazu nutzen sollten, anderen zu helfen, um Vertrauen aufzubauen – denn das ist essenziell für stabile Netzwerkbeziehungen. Also: Kontakte herstellen, Tipps geben, Infos teilen oder Aufgaben für die Gemeinschaft übernehmen, beispielsweise Protokoll schreiben oder eine Veranstaltung organisieren.


Weitere 20% der Zeit sollten wir laut Sansone investieren, um uns selbst bekannt zu machen. Wenn wir also jemandem weiterhelfen konnten, hat der zunächst lose Kontakt an Qualität gewonnen. Er oder sie beginnt, sich für uns zu interessieren. Zeit also, auch persönliche Werte oder Hobbies zu teilen. Wichtig: Damit ist nicht gemeint, das eigene Familienleben auszubreiten und seine Seele zu offenbaren. Erzähle persönliches, aber nicht unbedingt privates. Dinge, die helfen, dich auch menschlich kennenzulernen. Erzähle von deinen Ideen und Zielen und Erfolgen, auch abseits des beruflichen.


Erst wenn diese Ebene erreicht ist, können wir bei Bedarf selbst um Rat bitten oder konkrete Hilfe erfragen. Dies sollte nicht mehr als 10% der Interaktion ausmachen, denn sonst kühlt das aufgebaute Verhältnis ganz schnell ab – niemand möchte gerne ausgenutzt werden.


Miteinander statt gegeneinander


In Netzwerken zählen vor allem die Gemeinsamkeiten, die uns mit anderen verbinden, sei es direkt oder indirekt, bewusst oder noch unentdeckt. Gemeinsam wollen Projekte realisiert und Ziele verfolgt werden. Dafür braucht es dauerhaft mehr als lose Kontakte, dennwer sich kennt und einschätzen kann, kann auch Vertrauen aufbauen und auf andere zugehen. In einem so geschaffenen konstruktiven Miteinander darf es auch gerne gegensätzliche Meinungen und Einstellungen geben, denn Diskussion und Argumentation helfen, den eigenen Standpunkt wirklich zu durchdenken und gegebenenfalls neue Aspekte zu entdecken.


Gemeinsam kann man eben auch wachsen und über den eigenen Tellerrand hinausschauen – ein ganz großer Vorteil des Netzwerkens, der übrigens auch in der Vision von dat netzwerk fest verankert ist.




Text: Sabine Kasper

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